Sommerliche Atmosphäre beim Wintergrillen

Das Wintergrillen am letzten Samstag war für uns ein großer Erfolg und eine schöne (Semester-) Endveranstaltung. Unter anderem auch, weil das Wetter mit zehn Grad und Sonnenschein für entsprechende Rahmenbedingungen gesorgt hat. Doch für die gute Atmosphäre haben hauptsächlich die zahlreichen Besucher gesorgt, die trotz (oder gerade wegen) Valentinstag und Karnevalsveranstaltung in der Innenstadt zum Holzmarkt gefunden haben.

Bereits um zehn Uhr begannen einige Anwohner der Bädergasse 8 und Sternstraße 4 mit der Aufräumaktion während ein Teil von uns noch am letzten Schliff unserer Werkstatt gearbeitet haben, die wir im Gemeinschaftsraum der Bädergasse 8 aufgebaut haben. Mit Besen, Harke und Müllsäcken ausgestattet wurde der Holzmarkt vom restlichen Laub, Stöckern, Müll und Hundekot befreit. Die denkmalgeschützte Treppe am südlichen Rand des Platzes wurde durch die Aufräumaktion für viele als begehbare Sitzgelegenheit (wieder-) entdeckt.

Pünktlich um 12 Uhr war der Platz dann freigeräumt und wurde von den Anwohnern und Besuchern angeeignet: Sitze und Stühle, Bierbänke und Tische wurden auf der Rasen- und Asphaltfläche aufgestellt; Blumen wurden neben Beuys-Bäume gepflanzt, Plastikblumen an Poller geklebt. Asphaltflächen mithilfe von Kreide in Spielflächen umgewandelt. Bäume wurden mit Luftballons und Schildern dekoriert. Eine alte Autorückbank verlieh ihrer Ecke auf dem Platz einen chicen 70er-Jahre-Charme. Laken und Decken wurden an Leinen parallel zur Leipziger Straße auf Brusthöhe aufgehängt. Durch diese (symbolische) Trennung entstand ein neuer Raum, der sich vom Verkehr distanzierte und allein schon durch die beschränkte Sicht zur Straße einen psychologischen Effekt auf die Lärmwahrnehmung mit sich brachte. Viele Besucher haben haben auf die Frage hin den Verkehrslärm wesentlich leiser wahrgenommen als sonst. Doch auch der Straßenverkehr hat durch die Aktion und die Raumtrenner den Platz neu wahrgenommen. Die Blicke der Autofahrer und Straßenbahnnutzer ließen erahnen, dass auch sie den Holzmarkt bisher nur als Restfläche und nicht als Platz oder Wiese wahrgenommen haben. Der Grill in der Mitte des Platzes war zentrale Anlaufstelle für Hungrige und bot Würstchen und Brötchen.

Daneben boten die Modelle, die wir aufgrund des guten Wetters nach draußen vor das Haus verlagert haben, einen zweiten Pol. Auf großen Modellen im Maßstab 1:150 konnten die Besucher Aussagen zu der Gestaltung des Holzmarktes mit der Elisabeth-Selbert-Promenade und des Unterneustädter Kirchplatzes mit der Leipziger Straße treffen. Dabei haben wir Papp-Mosaiksteinchen mit unterschiedlichen Oberflächen und Klötzchen aus Styrodur bereitgestellt, mit denen Flächen, Wege und Grenzen gelegt werden konnten. Außerdem bekam jeder Bearbeiter einen Handzettel, auf dem er seine / sie ihre Wunscheigenschaften für den jeweiligen Ort anstreichen und demnach seine Gestaltung entwickeln konnte. Häufige Eigenschaften oder Schlagworte waren sowohl für den Holzmarkt als auch für den Unterneustädter Kirchplatz: Vorgarten, Limonade, Kaffee und Nachbarn. Diese Schlagworte weisen auf den Wunsch nach erhöhter Aufenthaltsqualität hin. Die Plätze sollen zum Verweilen einladen und die Möglichkeit bieten, sich dort mit anderen Menschen treffen zu können, dazu zählt auch ein entsprechendes gastronomisches Angebot im Umfeld. Die Modelle wurden entsprechend mit Rasenflächen und Blumenbeeten ausgestattet. Barrierefreie Wege sowie Spiel- und Lernflächen für Kinder runden die erhöhte Nutzungsvielfalt auf beiden Plätzen ab. Bänke und Sitznischen sorgen für Rastmöglichkeiten. Des weiteren konnte an Nicos Fuldamodell weiter an den Ideen für den Fluss und seinen Randflächen gearbeitet werden: Durch zuordnen und ergänzen von Ideen und Themenfeldern konnte man ihn bei der Erarbeitung eines Rahmenplans als Masterarbeit unterstützen. Außerdem haben wir das große Unterneustadtluftbild in dem Gemeinschaftsraum ausgelegt, der für diesen Tag zugänglich war. Das Luftbild bot den Besuchern zusätzlichen Gesprächsstoff und brachte den Stadtteil für sie in eine neue Perspektive.

Der Gemeinschaftsraum wurde am Nachmittag dann doch noch belebt: Christine und Jörg Götzfried von der Band Dylan’s Dream haben ein Set mit Clapton-, Young- und natürlich Dylan-Songs gespielt. Für diese gute Musik möchten wir uns natürlich herzlich bedanken. Auch den Anwohnern, die einen großen Teil der Organisation von Grill, Würstchen, Raum und Materialien geleistet haben, möchten wir Danke sagen – und natürlich allen Teilnehmern für ihre Ideen und ihr Engagement.

Als nächstes werden wir uns darum kümmern, alle Ideen, Modelle und Vorschläge zu verarbeiten und in eine Broschüre zu verpacken, um sie dann an die verantwortlichen Akteure in der Stadt und im Stadtteil weiterzureichen. Über den Fortschritt dieser Arbeit werden wir Euch hier weiter informieren.

Alle Bilder von der Veranstaltung sind auf unserer Flickr-Seite zu finden.

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