Pressemitteilung: „Nextkassel: Das sind die Top-Szenarien der Kasseler Bürger“

“Mit dem Rad schnell durch die Stadt” – das ist das gewählte Top-Szenario der Teilnehmer der Session #2. Dicht darauf folgen “Die Fulda als Herz der Stadt” und “Kassels Plätze schöner machen”. Die Studenten des Projekts Nextkassel freuen sich über eine gut besuchte Veranstaltung, interessante Gespräche mit engagierten Bürgern und vor allem: einem klaren Ergebnis.
Mit diesen fundierten Ergebnissen im Gepäck wird Nextkassel die Bürgerstadtvision verfassen. Diese Publikation wird im Herbst 2014 erscheinen. Das Team von Nextkassel wünscht sich, dass Politik und Verwaltung dieses Leitbild der Kasseler Bürger in die zukünftige Stadtentwicklung einbeziehen.
Ab Oktober werden die drei Top-Szenarien planerisch und projektorieniert am Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung weiter verfolgt und vertieft.
Am Samstag um 10 Uhr öffnete die Kundenhalle der Sparkasse ihre Pforten für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. In der komplett in gelb dekorierten Halle erwarteten sie zunächst die 22 Stadtszenarien, die das Projektteam aus den über 650 eingereichten Ideen zusammengefasst hat. Hier wurde abgestimmt und diskutiert. Außerdem wurden rund 30 neue Ideen eingereicht. Diese werden in Kürze ebenfalls auf der Website www.nextkassel.de zur Wahl stehen.
Beim Tryout-Spiel entschieden die Teilnehmer spielerisch, welche schnell umsetzbaren Ideen sie sich in Kassel wünschen und bei welcher sie bereit wären, mit anzupacken. Rund 30 Spieler sahen in “Community Gardening Flächen in der Innenstadt”, “Trainingsanlage für Parkour und Freerunning”, “Mehr Sitzgelegenheiten in der Innenstadt” und “Kunst im öffentlichen Raum” das Potenzial zur Umsetzung. Auch die außergewöhnliche Idee einer “Nachtdraisine”, mit der man nach Betriebsschluss auf dem Schienennetz fahren könnte, landete häufig in der Auswahl.
Für ihr Engagement erwartete die Besucher ein leckeres Eis vom Wagen des Eiscafés Sardegna oder eine frische Waffel, die der Hausfrauenverband Kassel e.V. freundlicherweise den ganzen Tag über gebacken hat.
Parallel dazu liefen in der Video-Lounge vorab gefilmte Experten-Interviews zu den einzelnen Szenarien.
Zwei Höhepunkte hatte dieser ereignisreiche Tag: Die Auslosung der Gewinne des Gewinnspiels, bei dem man online auf der facebook-Seite und vor Ort teilnehmen konnte. Die Hauptgewinner freuen sich über einen voll ausgestatteten Picknickkorb, Tickets für die Sportfreunde Stiller und einen Einkaufsgutschein für ein Gartencenter. Die Preise wurden von S-INSIDER campus zur Verfügung gestellt.
Direkt im Anschluss wurden die gewählten Top-3-Szenarien mit Fachexperten besprochen. Moderiert von Gastprofessor Julian Petrin, der das Projekt Nextkassel an der Universität leitet, diskutierten Kilian Blum von RuE (Raum für urbane Experimente), Dieter Hennicken
vom Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, Maximilian Fitzner von Essbare Stadt e.V., Joachim Schleißing als Ortsvorsteher der Unterneustadt, Christine Knüppel vom Kulturzentrum Schlachthof, Gregor Anselmann als regelmäßiger Teilnehmer von Critical Mass und Anna Krapf vom Kinderbauernhof Kassel. Auch zahlreiche Bürger brachten ihre Standpunkte ein.
Vor allem die Bewegung Critical Mass, die jeden letzten Freitag im Monat mit einer stetig wachsenden Gruppe eindrucksvoll zeigt, dass Fahrradfahrer ein ernstzunehmender Bestandteil des Verkehrs sind, freut sich über die Wahl des Top-Szenarios “Mit dem Rad schnell durch die Stadt”. Kassel schneide im Vergleich mit Städten mit ähnlicher Größe und Topografie im Bereich Fahrradnutzung schlecht ab. Viele würden aufs Rad verzichten, weil es zu umständlich und vor allem zu gefährlich sei, so der Student Gregor Anselmann. Ab Herbst wird sich eine Entwurfsklasse vorrangig um dieses Top-Szenario kümmern und auch den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt genau unter die Lupe nehmen.
Bei Top-Szenario Nr. 2, “Kassels Plätze schöner machen” kam der Unmut über die Gestaltung des Königsplatzes unter den Kasselern deutlich heraus. Laut Dieter Hennicken liegt das Problem auch in der mangelhaften Umsetzung von im Grundsatz guten Planungsideen und “Unterhaltungssünden” der Stadt. Die Umgestaltung von historischen Plätzen wie dem Friedrichsplatz zum Spielplatz wurde kontrovers diskutiert – der Respekt vor der Historie müsse dabei unbedingt gewahrt werden, so Hennicken.
Auch “Die Fulda als Herz der Stadt” rief unterschiedliche Reaktionen hervor: die geheimen, informellen Orte der Fulda müssten weiterhin kultiviert werden. Wichtig sei hier der Umgang mit städtischer Natur, so Kilian Blum von Raum für urbane Experimente. Gerade das Problem des großflächigen Privateigentums am Fuldaufer wurde diskutiert: Laut Schleißing ist es unverzichtbar, die Eigentümer “ins Boot” zu holen, um die zahlreichen guten Ideen, die bereits in den Archiven der Uni lagern, umsetzen zu können.
Alle drei Top-Szenarien befassen sich mit Aspekten der Frage, wem der öffentliche Raum gehört. Wie kann die Bürgermeinung in den Planungsprozess besser eingebunden werden?
Insgesamt wurde betont, dass die Politik den Druck von Mitgestaltern aufnehmen muss und Beteiligung der Bürger von ihr gefördert und gehört werden muss. Die Bürgerstadtvision von Nextkassel wird dafür ein wichtiges Instrument sein.
Am Abend spielte die Band „Caro. Kiste. Kontrabass“ für ein begeistertes Publikum. Bei einem Nextkassel-Cocktail oder einem regionalen Bier klang die Session #2 entspannt aus.
Über 300 Besucher haben im Laufe des Tages ihre Meinung eingebracht. Nextkassel freut sich über die hohe Beteiligung, die das breite Interesse in der Bevölkerung zeigt. Besonders bedankt sich das Projekt bei seinen Sponsoren, der Kasseler Sparkasse, der KVG, den Städtischen Werken sowie dem Projektrat der Universität Kassel, deren Unterstützung die Session #2 ermöglicht haben.

Pressemitteilung als PDF