Die Umsetzung von Ideen: Knifflig, knifflig.

Auf Facebook (und auch an anderen Orten und zu anderen Zeiten) wurden wir gefragt, was denn von den Ideen schon umgesetzt sei und ob etwas umgesetzt werde. Diese Frage ist nicht so ganz einfach zu beantworten, wir versuchen es trotzdem:

Die Umsetzung von Ideen hängt beim Thema Stadtentwicklung IMMER mit einer kommunalpolitischen Unterstützung und auch – aber eher sekundär – mit Verwaltungshandeln zusammen. Und dies bedeutet, dass die Umsetzung von Ideen stark damit zusammen hängt, wer in Politik und Verwaltung ebenso ein Interesse an diesen Ideen hat oder von der Idee überzeugt werden kann. Wir müssen uns eingestehen: Gerade letzteres ist für jede einzelne Idee z.Zt. von uns nicht leistbar.

Handlungsempfehlungen

Drei wichtige Themen haben wir 2014/2015 dennoch abgeschlossen: Unsere drei Topszenarien haben wir in Handlungsempfehlungen überführt und an die Stadtverwaltung zur Überprüfung und Umsetzung gegeben:

Zum ersten war es das Top-1-Szenario „Mit dem Rad schnell durch die Stadt“, das im Rahmen eines studentischen Projektteams bearbeitet wurde: Cokreativ wurden zusammen mit Bürger*Innen Konzepte entwickelt, wie die Stadt Kassel zur Fahrradstadt werden kann. Die wichtigsten Ergebnisse sind im Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Verkehr vorgestellt worden. Außerdem gab es mehrere Konsultationen zwischen Nextkassel und dem Straßenverkehrsamt, welches für die bauliche Umsetzung verantwortlich ist. Man versicherte uns, dass die Ergebnisse des Teams sehr solide seien und dass diese dazu beitragen können, die Verkehrsplanung in Kassel positiv zu beeinflussen. Die Dokumentation ist hier zu finden.

Das Top-2-Szenario „Kassels Plätze schöner machen“ haben wir experimentell bearbeitet. Die Werkstatt Unterneustadt hat nach Methoden geforscht, wie cokreativ städtebaulich – und damit platzgestalterisch – entworfen werden kann. Entstanden sind im Projekt nicht nur Erkenntnisse darüber, wie – und dass – auch mit Laien entworfen werden kann, sondern es sind auch verschiedene Entwürfe für Stadtplätze in der Unterneustadt entstanden. Die „Werkstatt Unterneustadt“ kann auch als Anleitung zum Selbermachen verstanden werden: Viele der Ansätze wurden zusammen mit einer Bürgergruppe in der Unterneustadt entwickelt, so dass es für Nachahmer ein leichtes sein sollte, viele der Ideen aus der Ideensammlung einfach selbst umzusetzen anstatt darauf zu vertrauen, dass sich schon irgendwer kümmern wird. Die Dokumentation ist hier und hier.

Das Top-3-Szenario „Die Fulda als Herz der Stadt“ ist in Kooperation mit der Werkstatt Unterneustadt im Rahmen einer Masterarbeit bearbeitet worden. Das Quartiersmanagement Wesertor und die Ortsbeiräte Wesertor und Unterneustadt waren von vielen in der Masterarbeit neu eingegangenen Ideen sehr angetan und haben diese Ideen in ihre Agenden für ihre Stadtteile aufgenommen.

Konkrete Umsetzung von Ideen

Parallel zu diesen drei Szenarien wurde das Projekt „Stadtmacher“ gestartet: Ziel von Stadtmacher ist es, konkrete Ideen zur Stadtentwicklung von der Idee bis zur Umsetzung zu bringen. Vorraussetzung: Der Ideengeber steht voll hinter seiner Idee und arbeitet selbst dafür diese Idee umzusetzen. Für Kassel wurde das an zwei Ideen aus der Ideensammlung erprobt: Die „Auebühne“ und „Parkour Kassel“ waren die Testfälle. Für die Auebühne liegt nun ein Konzept vor, das aber politisch nicht mitgetragen wird und vermutlich (außer es wird eine harte Lobbyarbeit initiiert) niemals umgesetzt wird. Parkour Kassel ist anders gelagert: Im Entwicklungskonzept Kasseler Osten ist die Einrichtung einer solchen Trainingsfläche vorgesehen. Das Projekt hat die Bedarfe der Parkour Community herausgearbeitet, auf dieser Basis Standorte gesucht und einige geeignete gefunden … bis sich herausstellte, dass diese Standorte nun doch für anderes vorgesehen sind. Parkour Kassel hängt etwas in der Warteschleife: Sobald eine neue Fläche gefunden ist, kann die Umsetzung starten. Hier gibts die Dokumentation.

Es gibt eine ganze Menge andere Ideen, die unabhängig von Nextkassel bereits in der Stadt umgesetzt werden (hier könnte man vermuten, dass dadurch, dass die Ideen mal aufgeschrieben wurden, eine Umsetzung begünstigt wurde, aber so genau wissen das nicht). Zum Beispiel „kostenloses WLAN” vor den Museen: Das kommt jetzt und war eine der ersten Ideen in unserer Ideensammlung. „Mehr Sitzgelegenheiten in der Innenstadt” – auch so ein Nextkassel-Klassiker – wird nun in der Neugestaltung der Königsstraße umgesetzt. Die wegen angedrohter Schließung eingegangenen Ideen zu den Kasseler Freibädern werden – wenn man das strikt sieht – nun umgesetzt: Die Bäder bleiben erhalten.

Einige Ideen in der Sammlung sind Ideen, die sich mit Werkzeugen der Stadtentwicklung nur schwer umsetzen lassen. Andere Ideen haben viele Negativstimmen erhalten, so dass die Umsetzung dieser Ideen nicht angemessen erscheint. Manche Ideen sind auch einfach nur Humbug, allzu utopisch oder satirisch zu lesen. Und zu guter letzt sind da auch die Ideen, die politisch einfach nicht gewollt sind: „Straßenbahn raus!” zum Beispiel. Oder alle Ideen, die die Wasserspeier auf dem Königsplatz betreffen. Diese Ideen sind so kontrovers und symbolträchtig, dass wir im Moment das Gefühl haben uns daran zu verheben, würden wir sie angehen.

Sonstige Aktivitäten und Zukunft

Was die Frage angeht, welche Ideen umgesetzt werden, dürfen wir an dieser Stelle etwas spoilern: Im Sommer nehmen wir uns der Ideensammlung wieder verstärkt an. Wir haben uns vorgenommen, jede Idee anzuschauen und zu überprüfen, was davon schon wie umgesetzt wurde, wer es umsetzen könnte, was dafür getan werden muss. Und ob wir eine Umsetzung unterstützen können. Auch werden wir bei einigen Ideen entscheiden, dass das Ideen sind, die aufgrund ihrer utopischen Natur nicht umgesetzt werden können – oder in Einzelfällen: nicht umgesetzt werden sollten (was wir aber sehr genau begründen werden! – Jede Idee wird gehört. Unser Versprechen.).

Im letzten Sommersemester (2015) und dieses Wintersemester (2015/2016) laufen noch zwei studentische Projekte die mit lokalem Fokus arbeiten und Konzepte für die Innenstadt Kassel („Nextkassel Kunterbunt“) und für Kirchditmold („Nextkassel im Quartier: Zu Gast in Kirchditmold“) entwickeln. Diese beiden Projekte berücksichtigen zwar die Ideensammlung, ziel(t)en aber primär darauf ab, einen lokalen Dialog mit Anliegern zu initiieren und den Studierenden partizipative Methoden beizubringen.

Bis zum Sommer haben wir aber auch so noch ganz ordentlich zu tun:

  • Wir arbeiten gerade angestrengt daran, ein neues Büro zu finden und zu beziehen. Wenn alles gut läuft, gibts Mitte Februar ein Softopening und Anfang März eine kleine Einweihungsparty.
  • Janne hat ein kleines Nebenprojekt mit „Code for Kassel“ gestartet (Twitter). In Zusammenarbeit mit der Open Knowledge Foundation und Code for Germany geht es darum, mit codebegeisterte Menschen für Offene Daten einzutreten, Bestände zu sichten und zu bearbeiten, und daraus auf Kassel angepasste Werkzeuge für die Stadtentwicklung zu basteln. Mitstreiter sind sehr gern gesehen.
  • Und zu guter letzt sind wir im April beim Tag der Erde dabei (endlich mal!) und machen was zu unserem Top-5-Szenario „Kassel wird Low-Budget-Stadt“.

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